Die Sonora Wüste

Die Sonora Wüste erstreckt sich über ein 320.000 km² großes Gebiet zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika. Auf mexikanischer Seite durchläuft sie Niederkalifornien, die Inseln des kalifornischen Golfs und den gleichnamigen Staat Sonora. Auf nordamerikanischer Seite die zwei Staaten Kalifornien und Arizona. Gegensätzlich der populären Vorstellung einer kargen und einsamen Wüstenlandschaft, beheimatet die Sonora Wüste mehr als 2500 native Pflanzenarten und weist zusätzlich eine hohe Vielfalt an Säugetieren (> 130 Arten), Vögeln (> 500 Arten), Amphibien (> 20 Arten), Reptilien (> 100 Arten) und auch Fischen (> 30 Arten) auf. (DIMMIT 2015: 1)

Somit hebt sich die Sonora Wüste von den anderen drei amerikanischen Wüsten, dem Great Basin, der Mojave-Wüste und der Chihuahua-Wüste, durch ihre außergewöhnlich vielfältige Flora und Fauna hervor.

Abbildung 1: Die Sechs Unterteilungen der Sonora Wüste. Das Colorado Flusstal, das Hochland um Arizona, die Ebenen von Sonora, die zentrale Golfküste, Vizcaíno und Magdalena. (DIMMIT 2015: 16)

Die wohl prominenteste Einzigartigkeit der Sonora Wüste ist der in Arizona vorkommende Saguaro Kaktus, welcher als Wahrzeichen der Wüste gilt. Insgesamt beinhaltet das Wüstengebiet acht verschiedene Biome, deren Existenz grundsätzlich von zwei großen Regenzeiten pro Jahr ermöglicht wird. Ein weiterer Grund für die große Artenvielfalt sind die zahlreichen Interaktionen und Überlebensstrategien in der Tier- und Pflanzenwelt, beispielsweise das Speichern des knappen Gutes Wasser über längere Trockenperioden hinweg.Das Erscheinungsbild der Wüste wird beeinflusst durch Temperatur und Niederschlagsmenge, welche wiederum mit Höhe und Breitengrad variieren. Somit lässt sich die Sonora Wüste in sechs verschiedene Unterteilungen eingliedern.

 

 

 

Den Saguaro-Kaktus sichtet man beispielsweise im Hochland um Arizona, im gleichnamigen saguaro-palo verde forest. Die Sonora Ebenen eignen sich gut als Weideland für Rind durch ihre breiten Täler und dichtere Vegetation. Grund dafür sind höhere Niederschlagsmengen

[1] Höhere Niederschlagsmenge ist relativ gesehen: Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt lediglich um die 800mm. Vergleichsweise dazu fielen in Deutschland, was in etwa der Fläche der Sonora Wüste entspricht, im Jahr 2019 730 Liter pro m² Niederschlag. (Climatedata.org o.J.; Statista o.J.)

Bezüglich der klimatischen Bedingungen weist die Sonora Wüste eine weitere Besonderheit auf, welche, neben den höheren Temperaturen im Winter, für die große Arten- und Pflanzenvielfalt sorgt: Es gibt zwei große Regenzeiten pro Jahr.

Abbildung 2: Klimadiagramm für das Tuscon Gebiet. Beschreibung der durchschnittlichen Temperatur-, Luftfeuchtigkeits- und Niederschlagsunterschiede während eines Zeitraums von 1981 bis 2010 in der Unterteilung Arizona. Eigene Darstellung, Daten basierend auf HANSON (2015: 27 ff.).

Die Abbildung visualisiert die klimatischen Bedingungen für die Tucson Region in der Unterteilung Hochland Arizona. Der durchschnittliche Niederschlag erreicht die höchsten Werte während der Sommermonate Juli und August. Die heißeste und trockenste Zeit ist im Juni während des sogenannten Vorsommers und die kälteste, nasseste Zeit von Dezember bis Anfang Februar, während der Wintermonate.

Die Klimatrends für die Region um Tucson stimmen generell mit den Schwankungsrichtungen in den anderen Unterteilungen überein. Die erste Regenzeit der Sonora Wüste ist zwischen Dezember und März. Stürme über dem Nordpazifik bringen während der Wintermonate sanfte, gut verteilte Regenschauer über den Nord-Westen der Wüste. Die zweite Regenzeit ist zwischen Juli bis Mitte September. Während dieser Zeit bringen Sommer-Monsune tropische, nasse Luft in Form von starken Gewittern über den süd-östlichen Teil der Wüste.

Weiterhin basiert die biologische Diversität der Sonora Wüste auf einer Vielzahl kleiner und großer Zusammenspiele von Flora und Fauna. Übermäßiger menschlicher Einfluss kann die entstehenden Gleichgewichte ins Wanken bringen. Die Bedeutung dieser steigt allerdings mit den zunehmend extremer werdenden Überlebensbedingungen in der Wüste. Durch Bevölkerungswachstum und dem damit einhergehenden Städtebau entsteht eine unverhältnismäßig große Nachfrage nach – dem für die Wüsten typischerweise rarem Gut – Wasser. Beispielsweise werden die natürlichen Lebensräume der heimischen Spezies durch den Bau von Bewässerungsanlagen oder Weideflächen aufgebrochen oder gar zerstört. Auch die Einführung europäischer Tiere, Pflanzen und zahlreicher anderer Organismen haben einen komplexen Prozess gestartet, welche die Umwelt und das Leben der Einheimischen drastisch verändert hat.

Neben den Auswirkungen des globalen Klimawandels und der Überbeanspruchung knapper Ressourcen greift der Mensch auch politisch in Flora und Fauna der Wüste ein.  Der Bau der Grenzmauer zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika durchtrennt das Gebiet der Sonora Wüste und reißt folglich vielerorts die Ökosysteme auseinander. Verhinderte Überquerungsmöglichkeiten können sogar zu regionalem Artensterben führen (DEFENDERS OF WILDLIFE 2018: 5). Auch Straßenbau und die Anwendung schwerer Baufahrzeuge haben einen stark negativen Einfluss auf die Ökosysteme. Diese Entwicklung führt vor allem zu großen Bedenken bei Umweltschützern und einheimischen Stämmen. Entlang der Grenze spielt der Schutz der Artenvielfalt daher eine besondere Rolle. Auf beiden Seiten der Grenze, sowohl in den USA als auch in Mexiko, werden bereits entsprechende Gebiete in Form von Wildlife Refugees, Biosphärenreservaten und National Monuments, wie etwa dem Organ Pipe Cactus National Monument geschützt (DEFENDERS OF WILDLIFE 2018: 13).

Hiermit zeigen sich bereits grenzübergreifende Ambitionen, natürliche Gleichgewichte wiederherzustellen und somit schließlich zum Arten- und Landschaftsschutz beizutragen. Oft sind, auch durch geringe Förderung, viele natürliche Zusammenhänge allerdings noch zu wenig erforscht, um adäquat handeln zu können. Es würde ein allgemeines Umlenken des wirtschaftlichen Interesses auf den Fortbestand der biologischen Diversität benötigen, um der wachsenden Problematik des Artensterbens entgegentreten zu können. Sicher ist jedoch, wenn die Sonora Wüste durch den Menschen für Flora und Fauna unbewohnbar gemacht wird, wird sie auch für den Menschen unbewohnbar. Das prominente Problem der zunehmenden Wasserknappheit trägt wohl am schwerwiegendsten zur Beschleunigung dieses Prozesses bei und dessen Ausmaß sollte somit Anhaltspunkt zur weiteren Recherche sein.

  • [1] Höhere Niederschlagsmenge ist relativ gesehen: Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt lediglich um die 800mm. Vergleichsweise dazu fielen in Deutschland, was in etwa der Fläche der Sonora Wüste entspricht, im Jahr 2019 730 Liter pro m² Niederschlag. (Climatedata.org o.J.; Statista o.J.)

 

Volle Quellenangaben:


Climatedata.org (o.J.): Klima Sonora. Vereinigte Staaten von Amerika. URL: https://de.climate-data.org/nordamerika/vereinigte-staaten-von-amerika/kalifornien/sonora-124822/ (10.09.2020)

Defenders of Wildlife (2018): In the Shadow of the Wall: Part 1: Borderlands, Wildlife, Habitat and Collaborative Conservation at Risk. URL: https://defenders.org/sites/default/files/migration/docs/defenders-borderreport-parti.pdf (01.07.2020)

Dimmit, Mark A. (2015): Biomes and Communities of the Sonoran Desert Region. In: Dimmit, Mark A. et al. (Hrsg.): A Natural History of the Sonoran Desert. Arizona-Sonora Desert Museum. 2. Aufl. Tucson: 5-19

Hanson, Roseann B. und Jonathan Hansen (2015): Sonoran Desert Natural Events Calendar. In: Dimmit, Mark A. et al. (Hrsg.): A Natural History of the Sonoran Desert. Arizona-Sonora Desert Museum. 2. Aufl. Tucson: 27-34

Statista (o.J.): Durchschnittlicher Monatlicher Niederschlag in Deutschland von August 2019 bis August 2020.

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