Besuch einer Teeplantage

Wie sich der Besuch einer Teeplantage gestaltet, berichten Kevin Possehl und Clemens Koch:

Während der Exkursion haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit eine Teeplantage der „Wush-Wush Tea Company“ zu besichtigen und jegliche Verarbeitungsschritte hautnah mitzuerleben. Nach dem Ernten der Teeblätter werden diese erstmals in verschiedene Container zum Trocknen zwischengelagert. Während diesem Schritt soll die Feuchtigkeit innerhalb der Blätter um 75% verringert werden, sodass diese anschließend weiterverarbeitet werden können. Die fast trockenen Teeblätter werden in dem dritten Produktionsschritt grob von einer Zerkleinerungsmaschine gehäckselt. Dieser Prozess wiederholt sich einige Male. Gleichzeitig transportieren Bänder die immer kleiner werdenden Teeblätter Richtung eines überdimensionalen Trockners, welcher die verbleibende Feuchtigkeit eliminieren soll. In einem letzten Arbeitsschritt werden die um ein Vielfaches kleineren und schwarzen Teeblätter nach unterschiedlichen Qualitätsstufen in Säcke abgefüllt und für den Transport Richtung Addis Abeba und Ausland vorbereitet.

Die Produktion von Tee ruht in diesem Betrieb wortwörtlich niemals. Arbeitskräfte bedienen die Maschinen in Tages- und Nachtschichten. Zwar wird die Arbeit von vielen ‚als guter und vor allem sicherer’ Arbeitsplatz beschrieben, trotzdem bleibt bei den meisten Exkursionsteilnehmern das Gefühl der deutlichen Unterbezahlung dieser Arbeitskräfte mit 26 Birr, umgerechnet ≈1 Euro, pro Tag. Dies ist auch ein Kritikpunkt an der gesamten Produktion von Tee innerhalb Äthiopiens. Zwar symbolisiert die ‚Wush-Wush Tea Company’ einen starken Arbeitgeber, jedoch kann dieser Akteur die Spielregeln des Markts auf Grund fehlender Konkurrenz und Reglementierungen diktieren. Darüber hinaus wird der Inhaber Mr. Mohammed H. Al Amoudi als reichster Mann Äthiopiens mit exzellenten Kontakten zur Regierung beschrieben. Diese besonderen Beziehungen zu Regierungskreisen nähren den Verdacht auf ein starkes System von Klientelismus innerhalb der wirtschaftlichen Landschaft Äthiopiens.

Auf der Teeplantage

 

 

 

 

 

 

Die strikten Reglementierungen während des Besuchs auf der Plantage und des Produktionsgeländes verstärken ein Gefühl des Unbehagens. Obwohl die Produktion und Verarbeitung von Tee kein sonderlich großes Staatsgeheimnis darstellen, gibt es am Eingangstor strenge Personenkontrollen. Fotografien sind strikt untersagt, ein auffälliger weißer oder roter Kittel ist obligatorisch und während des gesamten Rundgangs wird die Exkursionsgruppe von einem Sicherheitsbeamten nicht aus den Augen gelassen.

Gruppenbild mit Kittel

Die Teeplantage hat Auswirkungen auf Mensch und Umwelt der näheren Umgebung, wie Johanna Kaiser und Salome Schäfer berichten:

So werden auf der Teeplantage „5 verschiedene Unterarten der Teepflanze großflächig kultiviert, in Monokulturen, um die Ernte zu erleichtern und die zu Verfügung stehende Fläche optimal zu nutzen. Die Pflanzen werden alle vier Jahre ausgewechselt, um die Qualität der Blätter hochzuhalten, obwohl eine Teepflanze 80-100 Jahre alt werden kann. Die Blätter müssen, je nach klimatischen Bedingungen 8-12 Tage wachsen um erntebereit zu sein. Zu diesem Zeitpunkt haben sie einen Wasseranteil von 75%. Im Trockner bei gleichmäßiger Verteilung wird die Feuchtigkeit in 18 Stunden auf 17% reduziert. Danach werden die Blätter auf durch automatisierte Arbeitsabläufe immer wieder zerhexelt und durchmischt bis sie in einem großen Behälter stark erhitzt werden, welcher mit Eukalyptusholz betrieben wird. Für 1kg Tee benötigt man 2kg Holz. Um die Kosten zu reduzieren wird der Eukalyptus ebenfalls auf dem eigenen Grundstück angebaut.

Da die Bauern in der Umgebung ebenfalls die Möglichkeit haben, ihre Teeblätter an die Plantage für die weitere Verarbeitung zu verkaufen, verändert sich die regionale Anbaustruktur […]. Traditionelle Agrarprodukte und Anbaumethoden werden zu Gunsten des Exportes durch weltweit gefragte Güter ersetzt. Darüber hinaus wird durch die Plantage eine Monokultur geschaffen, die für das Ökosystem schädlich wirkt. Die einseitige Bodennutzung kann langfristig zu einer Bodendegradation führen und somit das landesweite Problem von schwindenden fruchtbaren Böden verstärken. Darüber hinaus ist die Pflanze wasserintensiv und entzieht, gemeinsam mit dem Eukalyptusbestand der Plantage, dem Boden viel Feuchtigkeit.

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