Darstellung der konkreten Projektarbeit
Das Ziel der Projektarbeit war es, die Möglichkeiten von Minecraft Education als interaktive Lernplattform zu erproben. Dabei lautete die zentrale Fragestellung der Projektarbeit wie folgt: Inwieweit kann Minecraft Education im schulischen Kontext sinnvoll zum Erlernen von geographischen Unterrichtsinhalten eingesetzt werden?
Um diese Fragestellung praxisnah zu untersuchen, wurde eine eigene Minecraft-Welt zum Thema Schwammstadt gebaut und anschließend in einem Workshop getestet. Durch die Welt sollten die einzelnen Aspekte des Schwammstadt Konzeptes (vgl. 5. Thematischer Hintergrund) spielerisch und problemorientiert vermittelt werden. Das Spiel Minecraft bot die Möglichkeit, die in den begleitenden Erklärvideos vermittelten Inhalte unmittelbar in der virtuellen Welt umzusetzen. Das Richard-Wagner-Gymnasium in Bayreuth ermöglichte die Durchführung eines Projekttages in einer 11. Klasse. Daran orientierte sich auch Konzeption der Welt für die Altersgruppe von 15 bis 18 Jahre sowie die Struktur des Workshops über einen gesamten Schultag.
Die Projektarbeit lässt sich in vier Phasen untergliedern: Konzeption der Welt, Bau der Welt, Vorbereitung und Durchführung des Workshops und Auswertung der Ergebnisse.
- Konzeption der Welt: Zunächst erfolgte die Ideensammlung zu potenziellen Themen für die Minecraft-Welt und die anschließende inhaltliche Recherche zu dem gewählten Thema Schwammstadt. Die Thematik wurde auf zentrale Aspekte heruntergebrochen und in einzelne Aufgaben überführt. Mithilfe eines Storyboards wurde das Konzept für die Welt visualisiert.
- Bau der Welt: Das Storyboard diente als Grundlage für die den Bau der Welt. Nach dem Playtest bei „Playtest & Pancakes“ erfolgten letzte Anpassungen in der Welt.
- Vorbereitung und Durchführung des Workshops: In der dritten Phase wurde der Workshop in Absprache mit dem Richard-Wagner-Gymnasium in Bayreuth organisiert und durchgeführt.
- Auswertung der Ergebnisse: Abschließend wurden die Ergebnisse des Workshops ausgewertet sowie die Methode kritisch im Team reflektiert.
Nachfolgend werden zentrale Aspekte der einzelnen Projektphasen genauer ausgeführt.
Für die Visualisierung der Minecraft-Welt sowie für die konkrete Ausarbeitung der Integration der Erklärvideos in das Spiel arbeitete die Projektgruppe auf der Makroebene mit einem Storyboard und auf der Mikroebene mit einer weiterführenden Skizze. Zuerst erstellte die Projektgruppe ein Storyboard, in dem die verschiedenen Szenen, die die Spielenden durchlaufen, erklärt und kommentiert werden (Abb. 1). Die Methode Storyboard dient der Visualisierung von Prozessen und besteht aus einer Abfolge von Bild- und Textsequenzen. Storyboards sind hilfreich, um Abläufe darzustellen und zu strukturieren (Hochschule Luzern, o. D.).
Bei der Erstellung des Storyboards wurde somit herausgearbeitet, welche Themenabschnitte es in welcher Reihenfolge geben soll. Dies konnte mit dem Storyboard gut strukturiert werden. Außerdem kristallisierten sich damit die Spielabläufe heraus. Die Themen, die sich aus dem Brainstorming und der Erstellung des Storyboards ergaben, sind: Versiegelung, Schwammstadt, Fassaden- und Dachbegrünung, Baumbepflanzung, soziale Funktion von Grünflächen, blaue Infrastruktur, Regulierung von Hochwasser, Renaturierung, Versickerung, Bauweise- und Material, Flächenkonkurrenz und Beteiligung. Um die Inhalte zu visualisieren und auf der Mikroebene zu erarbeiten, an welcher Stelle und in welcher Form die Lerninhalte konkret in die Minecraft-Welt integriert werden sollen, wurde eine detaillierte Skizze erarbeitet (Abb. 2).
Der Fokus lag auf der finalen Verortung der Erklärvideos in der Minecraft-Welt und der visuellen Darstellung der Gebäude und Freiflächen. In diesem Prozess wurden die Themen an einen Standort in der Welt verortet. Dabei wurden manche Inhalte zusammengefügt beziehungsweise in ein größeres Thema integriert, beispielsweise Bauweise und Material in das Thema Versickerung. Die sich daraus endgültig ergebene Themen und damit auch Erklärvideos sind: Grünflächen, Versickerung, Dach- und Fassadenbegrünung, Rückhaltebecken, Renaturierung, Versiegelung und das übergeordnete Video zu Schwammstadt. Auf Grundlage der vorangegangenen Recherchen wurden anschließend die Sprechtexte für die Erklärvideos verfasst.
Am 14. Februar 2025 fand das „Playtest and Pancakes“-Event der Medienwissenschaften statt und konnte genutzt werden, um die Minecraft-Welt zu testen. In vier aufeinanderfolgenden Playtest-Sessions galt es, unsere Welt zu erkunden und konstruktive Kritik einzusammeln.
- Im ersten Testlauf trafen grundlegende Hinweise zur Nutzerführung und Spielmechanik ein. Die Falltüren waren schwer zu entdecken, Brücken zu niedrig, der Weg zur ersten Aufgabe nicht selbsterklärend. Vorgeschlagen wurden Bodenmarkierungen, Wegweiser, besser abgestimmtes Sounddesign sowie kürzere und präzisere Tafeln. Auch der „Erledigt“-Button solle erst nach Abschluss aller Teilziele erscheinen. Markierungen über NPCs wurden empfohlen.
- Im zweiten Durchgang ging es um die Platzierung von Photovoltaik-Modulen und die Erklärung der Kamera- und Notizbuch-Funktion. Symbole in Bilderrahmen könnten Orientierung geben, zusätzliche Schilder und farbige Markierungen unterstützen.
- Der dritte Testlauf brachte neue Impulse zu Storytelling und Aufbau. Der Feuerwehr-NPC soll prominenter platziert werden, Pfützen realistischer inszeniert, abgeschlossene Aufgaben automatisch markiert werden. Vorgeschlagen wurden vorbereitete Baustellen und weniger dekorative Ablenkungen. Der NPC „Rudi“ soll die Spielenden zur aktiven Präsentation auffordern.
- In der vierten Runde wurden Materialkontraste im Flussabschnitt und das Vorab-Aufreißen von Straßen empfohlen. Ranken-Hindernisse sollen klarer benannt, das Narrativ stärker bildungsorientiert gestaltet werden.
Der „Playtest and Pancakes“ zeigte, dass unsere Schwammstadt-Welt ein solides Fundament hat, aber noch Verbesserungspotenzial bei Nutzerführung, Aufgabenformulierung und visueller Klarheit birgt. Das vielfältige Feedback wurde gezielt zur Optimierung genutzt.
Am 27. Februar 2025 fand am Richard-Wagner-Gymnasium Bayreuth der Projekttag „Lernen mit Minecraft: Schwammstadt“ mit 20 Schüler:innen der 11. Jahrgangsstufe statt. Der Workshop wurde vom Projektteam angeleitet, beobachtet und dokumentiert.
Insgesamt dauerte der Workshop fünf Unterrichtsstunden und zwei Pausen (07:45–12:45 Uhr). Nach einer Vorstellungsrunde mit Ziel- und Agenda-Präsentation wurden technische Fragen geklärt und die Schüler:innen in Kleingruppen eingeteilt. Zunächst erkundeten sie individuell die Minecraft-Welt und lernten durch Aufgaben das Schwammstadt-Konzept kennen.
Nach einer Pause tauschten sich die Gruppen über ihre Erkenntnisse aus und bearbeiteten anschließend in Gruppenarbeit eine Bauaufgabe: den Umbau eines Parkplatzes nach Schwammstadt-Prinzipien. Der Tag endete mit Präsentationen, einer Reflexion und einer kurzen digitalen Evaluation.
Beobachtungen
Zur Evaluation wurde eine nicht-teilnehmende Beobachtung durchgeführt, um Verhalten und Interaktion der Schüler:innen beim Spielen systematisch zu erfassen. Die Methode erlaubt die Analyse sozialer Prozesse ohne Beeinflussung durch Beobachtende (Krell & Lamnek, 2024, S. 521 f.; Thomas, 2010, S. 467).
Bei der nicht-teilnehmenden Beobachtung (Kochinka, 2010, S. 453) bleibt der Beobachtende passiv. Im Workshop griffen die Beobachter:innen nicht ins Spielgeschehen ein. Ziel war es, eine natürliche Spielsituation sicherzustellen, zumal die Einzelarbeitsphase keine Mehrspielerebene enthielt.
Zur systematischen Erfassung wurde ein Beobachtungsbogen erstellt. Erfasst wurden Engagement, Kommunikation, technische Fertigkeiten, Problemlöseverhalten und Verständnis des Schwammstadt-Konzepts. Auffälligkeiten außerhalb des Schemas wurden zusätzlich notiert.
Erstellung der Schlussumfrage
Am Ende des Projekttags wurde eine teilstandardisierte Online-Umfrage über „Tally“ durchgeführt, erreichbar via QR-Code. Sie enthielt geschlossene und offene Fragen.
Geschlossene Fragen ermöglichen schnelle Auswertung, bergen aber das Risiko unpassender Antwortkategorien (Porst, 2014, S. 53). Bewertungsfragen (z. B. „stimme voll zu“ bis „gar nicht zu“) erfassten Erfahrungen mit Minecraft, dem Thema Schwammstadt, Aufgabenumsetzung und Lernvideoverständnis.
Offene Fragen erlauben differenzierte Antworten in eigenen Worten, sind aber abhängig von der Ausdrucksfähigkeit der Befragten und aufwendig auszuwerten (Porst, 2014, S. 56–57). So konnten individuelle Eindrücke und das Verständnis des Themas Schwammstadt präzise erfasst werden.
Einen Einblick in die fertige Welt, gibt es in diesem Video.