Das Villenviertel Baba

Die Führung durch das Villenviertel Baba bot interessante Einblicke in die, zu damaliger Zeit moderne und funktionalistische Architektur. Meine persönlichen Eindrücke und Empfindungen waren dabei sehr gemischt.

Direkt zu Beginn der Führung konnten wir auf engstem Raum drei unterschiedliche Phasen der Bebauung erkennen. Ein Hof aus dem Mittelalter, eine Reihenhaussiedlung aus den 30er Jahren und schließlich die Villen des Viertels Baba, die nach der funktionalistischen Architektur gebaut waren. Diese kleine Zeitreise machte die Besonderheiten des Viertels Baba noch einmal deutlich. Die „Bereinigung“ der Architektur von Verschönerungen und Verschnörkselungen, die der damalige neue Baustil anstrebte war bei allen Villen deutlich zu erkennen.

Auf dem Weg durch das Viertel wirkten die Häuser und die Umgebung auf mich sehr geordnet und fast schon steril. Jedes Haus war in dem gleichen Stil mit geraden Dächern, Terrassen auf dem Dach und Fenstern in einer Reihe ausgestattet, sowie in der gleichen grau-weißen Farbe gestrichen. Jede der insgesamt 33 Villen war nach Süden ausgerichtet. Die Häuser waren weder individuell gestaltet, noch versprühten sie einen einladenden und gemütlichen Flair auf mich. Fast jedes Haus wurde von einem großen Garten umgeben, der jedoch bei den meisten Häusern weder liebevoll angelegt aussah noch einen gepflegten Eindruck machte. Trotz der Denkmalschutzauflagen, waren ein paar der Villen renoviert und neu angestrichen worden. Diese Häuser wirkten auf mich gleich gepflegter und einladender, da sie nicht so trostlos wie die ursprünglichen Bauten aussahen.

 

Abbildung 1: Bild einer Villa im Viertel Baba (eigene Aufnahmen)

Trotz der von mir empfundenen Eintönigkeit des Viertels war die Verwirklichung des Funktionalismus oder auch des Bauhausstils für die damalige Zeit beeindruckend. Der Baustil der Villen wirkte auf mich keineswegs veraltet oder aus der Mode gekommen. Zwar war in dem Viertel Baba der Funktionalismus nur zu zehn Prozent realisiert worden, dennoch für damalige Zeiten ein beachtlicher Schritt der Architektur. Überrascht war ich auch von dem guten Zustand der Villen, die im zweiten Weltkrieg keine Schäden davongetragen haben und die durch die Denkmalschutzauflagen auch baulich nicht sehr verändert worden waren.

Eine angenehme Überraschung war der Panoramablick, den man von dem Viertel über Prag hatte. Von der Nordstadt über den Prager Fernsehturm bis in die Südstadt konnte man bis in weite Ferne die Stadt überblicken. Besonders die Altstadt, sowie die Prager Burg und die Moldau boten einen tollen Ausblick. Dies ist ein wesentlicher Faktor, weshalb die Grundstücke in diesem Viertel auch sehr teuer sind. Es gilt als ehrenhaft und Privileg hier wohnen zu dürfen. Diese Tatsache wurde mir noch einmal deutlicher, als wir über die ganze Stadt blickten, denn man hatte das Gefühl, die gesamte Stadt liegt einem zu Füßen.

Abbildung 2: Aussicht vom Villenviertel Baba auf die Altstadt und die Prager Burg (eigene Aufnahme)

Zum Ende der Führung musste ich feststellen, dass meine Eindrücke danach nicht meinen Erwartungen entsprochen haben. Ich hatte mir die Villen sehr viel beeindruckender und prunkvoller vorgestellt, insofern der neue Baustil der modernen Architektur dies zuließ. Meiner Meinung nach steckt deutlich mehr Potenzial in dem Viertel. Durch Renovierung (insofern diese durch den Denkmalschutz möglich ist) und besserer Instandhaltung wäre es möglich die Häuser schön herzurichten und dabei trotzdem den damaligen Baustil erhalten und zur Geltung bringen zu können. Außerdem würde das Viertel Baba dadurch nicht so langweilig und trostlos wirken, sondern würde neuen Pep bekommen.

Verfasserin: Anna Reinsch

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