Tag 04 Forschungsauftrag: Auf den Spuren des Portweins

Am nächsten Morgen versammelten sich die Studierenden und die Dozenten, um den Tagesablauf und fachliches Vorwissen zu besprechen. Thema des Forschungstages war „Nachhaltige Regionalentwicklung und Ökotourismus – Weinbau im Dourotal“. Unsere Miniforschungsgruppe gab den anderen Exkursionsteilnehmern zunächst einen kurzen Input, um die Voraussetzungen für die Bearbeitung der zu absolvierenden Arbeitsaufträge zu schaffen.

Hier ein kleiner Clip von unserer Douro-Tour:

 

Die Studierendengruppe beim Input in der Unterkunft. Foto: Mona Augustin

Im Folgenden wird dieser fachliche Hintergrund in Kurzfassung dargestellt:

Eine nachhaltige Regionalentwicklung weist zahlreiche Indikatoren auf. Zum einen beschreiben die ökologischen Faktoren einer nachhaltigen Regionalentwicklung unter anderem die Vermeidung von Pestiziden, ein verantwortungsbewusster Wasserverbrauch und die Verhinderung von Bodenerosion. Daneben beinhalten die sozialen Faktoren vor allem das Entgegenwirken einer schrumpfenden Bevölkerung, die Bewahrung der Produktionstraditionen in Kombination mit einer nachhaltigen Modernisierung und der Schutz der gegenwärtigen Landschaftsstruktur. Diese Aspekte und viele weitere sind im Zuge einer nachhaltigen Regionalentwicklung natürlich auch für den Weinbau und den Weintourismus zu berücksichtigen (Poitras und Getz 2006).

Ökotourismus ist eine Form verantwortungsbewussten Reisens in naturnahe Gebiete, bei dem das Erleben von Natur im Mittelpunkt steht.“ (Strasdas 2001:6) Unserer Forschung nach ist jedoch nicht der klassische Ökotourismus im Dourotal vorzufinden, sondern eine spezielle Form dieser Tourismusart, der Agrotourismus. Hierbei handelt es sich um eine „Tourismusform, bei der die ländliche Kultur touristisch in Wert gesetzt wird. Er steht dem Ökotourismus nahe, wirbt aber in erster Linie nicht mit Natur-, sondern mit Kulturlandschaft“. (GTZ o.J.:1) Im Dourotal wird der Öko-/Agrotourismus mit der Weinindustrie kombiniert. Geführte Touren durch die Quintas (Weingüter im Dourotal) und Weinberge mit anschließender Weinverkostung und der Möglichkeit Wein zu erwerben ist sowohl für die Weinproduzenten als auch die Touristen reizvoll. Allerdings muss hier angemerkt werden, dass der Großteil des hiesigen Touristenaufkommens nicht dem Ökotourismus im engen Sinne entspricht, da viele Touristen lediglich an geführten Tagesausflügen ins Dourotal teilnehmen und nicht dem ursprünglich nachhaltigen Gedankengut des Ökotourismus entsprechen. Zudem zieht die Weinindustrie eher wohlhabende Touristen an. Für viele Quinta-Besitzer ist die alleinige Weinproduktion nicht lukrativ genug, weshalb sie sich in Kooperationen zusammenschließen. Diese beinhalten einen verbessertes Vertriebs- und Tourismusnetzwerk. Ein Beispiel hierfür ist der Zusammenschluss der Douro Boys, die Verbundvorteile im Bereich der Vermarktung nutzen (Dahab 2015: 6).

Im Anschluss an den kurzen Input reiste die Uni-Gruppe mit dem Bus nach Peso da Régua zu unserer ersten Station des Tages. Zunächst schauten wir uns den Hafen an, der ursprünglich der wichtigste Hafen für den Transport des Weins im Dourotal, aus dem Anbaugebiet in den Bergen flussabwärts Richtung Porto, war. Aufgrund von neuen Transportmöglichkeiten mittels Schienen- und Straßenverkehr, wurde der Fluss Douro als bedeutender Transportweg mit der Zeit jedoch abgelöst. Wegen der Konkurrenz aus der neuen Welt entwickelte sich der Weinanbau im Dourotal zu einem weniger ertragreichen Geschäft. Im Zuge dessen werden aktuell vermehrt finanzielle Mittel für den Tourismus, auch seitens der EU, bereitgestellt. So wurde beispielsweise der Hafen in Peso da Régua aus EU-Mitteln der veränderten Nutzung für Tourismus entsprechend neugestaltet.

Hafen für Touristen in Peso da Régua. Foto: Wenchi Huang

Auch unsere nächste Station, das Douro Museum, wurde in diesem Zusammenhang errichtet. Das Museum liefert einen umfangreichen Überblick über die Region und die Geschichte des Portweins.

Das Douro-Museum. Foto: Luisa Griebeling

Nach einem Spaziergang entlang des Douros ging es zurück zum Bus, der uns die wunderschöne von AVIS preisgekrönte Straße bis nach Pinhão chauffierte. Die Fahrt ist auch im unten dargestellten Video zu sehen. In Pinhão war der erste Stopp der alte Bahnhof im Zentrum der Kleinstadt. Dort konnten wir die Geschichte Weinindustrie in den Azulejos (bemalte Keramikfliesen) wiederfinden.

Azulejos am Bahnhof von Pinhão. Foto: Eike Valeton

Daraufhin gingen die zuvor eingeteilten Forschungsgruppen zu ihrem jeweiligen Forschungsgebiet innerhalb der Stadt. Gruppe 1 beschäftigte sich mit der Weinproduktion in der Quinta do Bomfim.  Bei einem Interview fanden die Studierenden heraus, dass die ursprünglich familiengeführte Quinta mittlerweile über 500 Mitarbeiter beschäftigt und zu den etablierten Quintas auf dem Markt gehört. Als Arbeitsthese lässt sich festhalten: Quinta do Bomfim verfolgt als Strategie des Weinanbaus eine qualitative hochwertige, innovative sowie ästhetische Produktion. Alle weiteren spannenden Aspekte über die Quinta do Bomfim sind im Video zu sehen. Gruppe 2 absolvierte ihren Arbeitsauftrag während unserer Führung in der Quinta da Foz. Ihr Augenmerk lag darauf, die Marketingstrategien der Quinta herauszufinden. Interessanterweise vertreibt die verhältnismäßig kleine Quinta da Foz (185.000-200.000 Flaschen pro Jahr, im Vergleich zu ca. 250.000.000 Flaschen in anderen Quintas), aufgrund der großen regionalen Konkurrenz ihren Wein zu großen Teilen im Ausland wie der  USA, Kanada, Angola, Belgien und Deutschland. Ein starker Fokus im Vertrieb fällt auf die Teilnahme an diversen Weinmessen weltweit und auf den direkten Kundenkontakt in Form von Touristengruppen in der Quinta.

Weinprobe in der Quinta da Foz. Foto: Benedikt Kuhnen

Im Zusammenhang zur Arbeitsthese der Gruppe 1, lässt sich nun für Gruppe 2 die These ableiten, dass kompetitive und unterschiedliche Wettbewerbsstrategien der Quintas am gleichen Ort existieren. Gruppe 3 befragte Touristen in der Stadt hinsichtlich ihres Reisemotivs. Allerdings bereiteten sprachliche Barrieren und die warme Mittagshitze (Siesta) Schwierigkeiten bei der Datenerfassung. Die Arbeitsgruppe fand hauptsächlich einheimische und französische Touristen vor, woraus sich die Arbeitsthese ableiten lässt: Während der Nebensaison sind vornehmlich französische und portugiesische Touristen im Dourotal auf Reisen. Dies kann unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass Frankreich und Portugal kulturelle und sprachliche Nähe aufweisen sowie das Interesse am Wein (Frankreich ist mit ca. 30% größtes Importland für Portwein) einen Anreiz für französische Touristen schafft, das Dourotal zu besuchen. Ähnlich wie Gruppe 3, hatte auch Gruppe 4 Probleme, Anwohner als Interviewpartner für ihre Gruppenarbeit zu finden. Nach einigen gescheiterten Versuchen widmete sich die Gruppe der Beobachtung und der Befragung von Mitarbeitern aus Gastronomie und Einzelhandel. Deutlich wurde die sozioräumliche Aufteilung des Gewerbes in der Stadt. So war die Uferpromenade des Douro-Flusses mit Cafés und Souvenirshops für Touristen charakterisiert. Im Gegensatz dazu war die Straße oberhalb der Flusspromenade deutlich für die einheimische Bevölkerung bestimmt. Zwar gab es auch dort zahlreiche Cafés und Geschäfte, die Atmosphäre und die Gestaltung dieser verwies allerdings auf lokale Bewohner hin. Ein Geschäft verkaufte beispielsweise ausschließlich Gartenutensilien für den Weinanbau.

Abschließend lässt sich sagen, dass allen Exkursionsteilnehmern, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Unterkunft und der Weinprobe bei der Quinta da Foz, der Aufenthalt im Dourotal besonders gut gefallen hat. Insbesondere im Vergleich zu den ersten Tagen in Porto fühlte sich die Gruppe der Natur, wie Kultur sehr nahe, ganz nach dem Konzept des Agro- und Ökotourismus. Hierzu zählte auch der persönliche Kontakt zu den Betreibern der Casa de São Miguel Douro und die Entfernung zum urbanen und reizüberflutenden Leben in Porto.

Als Erkenntnis unserer qualitativen Forschungsarbeiten vor Ort lässt sich zusammenfassen, dass sich die historisch entwickelte „Monokultur“ des Weinbaus das Landschaftsbild des Dourotals prägt. Die Monokultur konnte auf Grundlage der geomorphologischen Struktur mit ihrer Hanglage und dem Douro als idealer Transportweg erfolgreich florieren. So ist der Wein bis heute eine wichtige Einnahmequelle für das Dourotal, allerdings hat die Produktion des Portweins aufgrund neuer Konservierungsmethoden und wachsenden Wettbewerbs an Lukrativität verloren. Spezielle nachhaltige Regionalentwicklungskonzepte, wie der Agro- und Ökotourismus gewinnen heutzutage in Kombination mit dem Weinanbau an Bedeutung. Damit auch die für diese Region typischen kleinen Quintas auf dem Markt bestehen können, vernetzten sich diese vermehrt und bilden Kooperationen.

(Dourotal, Quinta FOZ)

http://www.quintadafoz.pt/qdf/pt/

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